Lästige Mitbewohner – wenn der Durchfall nicht aufhören will

Büren , 15. März 2017

Giardia intestinalis

Arten

Giardia intestinalis (syn. G. duodenalis, G. lamblia) kommt bei einer Vielzahl von Wirbeltieren vor.

Es treten mehrere Genotypen (A-G) mit unterschiedlichen Wirtsspektren auf.

Lebenszyklus

Der Entwicklungszyklus von G. intestinalis ist homoxen. Trophozoiten besiedeln den Dünndarm,

vermehren sich durch wiederholte Zweiteilung und bilden widerstandsfähige Zysten, die mit dem Kot

in die Umwelt gelangen. Die Anzahl der ausgeschiedenen Zysten ist häufig sehr groß. Die Infektion

erfolgt oral durch die Aufnahme von Zysten. Nach einer Infektion heften sich die Trophozoiten an

die Schleimhautepithelzellen. Die Präpatenz beträgt 4-16 Tage. Zysten sind unmittelbar infektiös und

können intermittierend über mehrere Wochen oder Monate ausgeschieden werden (Patenz).

Epidemiologie/Vorkommen

Giardia-Infektionen zählen bei Jungtieren < 1 Jahr zu den häufigsten Endoparasitosen. Die Prävalenz

liegt deutlich über der älterer Hunde und Katzen. Zysten werden von Tieren mit klinischen Symptomen,

aber auch bei inapparentem Verlauf ausgeschieden. Eine Infektion induziert eine Teilimmunität,

die zu einem milderen Krankheitsverlauf oder in einigen Fällen zu einer vollständigen Eliminierung

des Erregers führen kann. Diese partielle Immunität kann Reinfektionen aber nicht sicher verhindern.

Die Übertragung von Giardien erfolgt oral als Schmutz- oder Schmierinfektion sowie durch fäkal

kontaminiertes Wasser und Futtermittel. Die minimale infektiöse Dosis beträgt nur wenige Zysten.

Die Zysten bleiben in feuchter Umgebung mindestens 3 Monate und in Kot rund 1 Woche infektiös,

sind aber gegenüber Austrocknung und kalten Temperaturen (- 4 °C über eine Woche) empfindlich.

Wildtiere und andere Tiere können ebenfalls befallen sein, zoonotische Übertragungen auf den

Menschen sind möglich.

Klinische Symptomatik

Die Infektion verläuft häufig inapparent. Klinisch auffällig ist sie vor allem bei Hunde- oder Katzenwelpen

sowie bei immunsupprimierten Tieren, besonders bei gleichzeitiger Infektion mit anderen

Erregern. Die Beschwerden äußern sich in chronisch intermittierenden Durchfällen mit dünnbreiiger

bis wässriger Kotkonsistenz und Schleimhautbeimengungen. Weitere Symptome sind Inappetenz,

Vomitus, Gewichtsverlust und Apathie.

Diagnose

Methode der Wahl ist der Nachweis von Giardia-spezifischem Kopro-Antigen. Hierfür gibt es eine

Reihe kommerziell erhältlicher Tests (ELISA), die jedoch nicht immer vergleichbare Resultate erzielen.

Bekämpfung

Therapie und Prävention

Die einzigen in Deutschland für die Behandlung der Giardiose bei Hunden zugelassenen Tierarzneimittel

enthalten Fenbendazol als Monowirkstoff. Für Katzen stehen entsprechende Präparate mit

dem Wirkstoff Fenbendazol zur Verfügung, diese sind jedoch nicht für die Behandlung der Giardiose

zugelassen, d.h. es muss eine Umwidmung bezüglich der Indikation stattfinden.

Sinnvolle Maßnahmen zur Verhinderung der Übertragung auf andere Tiere und zur Prophylaxe einer

Reinfektion sind:

  • Behandlung aller Tiere in einem Haushalt/Bestand, unabhängig davon, ob klinische Symptome

              vorliegen oder nicht.

  • Aufsammeln von Kot und Entfernung des Kotes im geschlossenen Plastikbeutel über den

              Hausmüll.

  • Gründliche Reinigung aller fäkal kontaminierten Oberflächen (Böden und Wände) mit anschließender

              vollständiger Abtrocknung, optimal ist der Einsatz von Dampfstrahlern (> 60 °C).

  • Futter- und Trinkgefäße täglich mit kochendem Wasser säubern oder bei > 65 °C in der

              Spülmaschine reinigen.

  • Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser säubern und anschließend gründlich abtrocknen.
  • Decken/Kissen heiß waschen (> 65 °C ).
  • Spielzeug mit kochendem Wasser oder in der Spülmaschine > 65 °C reinigen.
  • Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen.
  • Hunde ggf. auch Katzen gründlich baden und shampoonieren (z. B. mit chlorhexidindigluconathaltigen

              Produkten), um sie von anhaftenden Kotresten zu säubern, ggf. lange Haare im

              Analbereich scheren.

  • Ggf. Desinfektion von Flächen/Gegenständen mit geeigneten Desinfektionsmitteln.

              Die aktuelle Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG)

              kann angefordert werden unter www.dvg.net. Zu den dort gelisteten Desinfektionsmitteln mit

              Kokzidien-Wirkung (nicht speziell für Giardien-Zysten getestet) gehören derzeit Endosan Forte S

              Neu (H. Willhelm Schaumann) und Neopredisan 135-1 (Menno Chemie-Vertrieb GmbH).

              In Tierheimen/Zuchten/Zwingern sind folgende Maßnahmen zusätzlich sinnvoll:

  • Schulung und konkrete Anweisung des Pflegepersonals.
  • Eingangsuntersuchung auf Giardien bei Tieren, die aufgenommen werden.
  • Untersuchung bei Tieren, die zur Zucht eingesetzt werden.
  • Untersuchung von Tieren, die unter Durchfällen leiden, ggf. Einleitung von

             Quarantänemaßnahmen.

  • Feuchte Areale trockenlegen und nach Möglichkeit befestigen.

Zoonotische Bedeutung

Die meisten Genotypen, die bei Hunden und Katzen vorkommen, sind keine Zoonoseerreger. Nur

zu einem geringen Prozentsatz werden bei Tieren zoonotisch relevante Genotypen nachgewiesen.

Mit den in der Praxis üblichen Nachweisverfahren werden die verschiedenen Genotypen jedoch

nicht differenziert und identifiziert. Zoonotisch relevante Genotypen können bei Bedarf jedoch mit

molekularbiologischen Methoden ermittelt werden.

Immunsupprimierte Personen sind besonders gefährdet und sollten bei Auftreten von Magen-Darm-

Symptomen einen Humanmediziner aufsuchen.