Wenn der Wellensittich immer dünner wird

Büren , 29. März 2017

Kropfentzündung beim Wellensittich
Funktion des Kropfes:
Der Kropf des Wellensittichs ist eine sackartige Erweiterung der Speiseröhre, in der das Futter nach Aufnahme für einige Stunden liegen bleibt. Die Kropfwand ist so dünn, dass im Kropf vorhandene Körner direkt unter der Haut gefühlt werden können. Der Kropf dient einerseits als Futterspeicher, auch für die Jungtier- und Partnerfütterung, andererseits wird die Nahrung „eingeweicht“ und dadurch für die Verdauung vorbereitet.

Kropfentzündung oder physiologisches Verhalten?
Wellensittiche mit Kropfentzündung werden meist in der Tierarztpraxis vorgestellt, weil die Besitzer beobachtet haben, dass die Tiere wiederholt „erbrechen“. Es handelt sich jedoch meist nicht um ein Erbrechen im eigentlichen Sinne, sondern um ein sogenanntes regurtieren. Das Futter wird aus dem Kropf hochgewürgt und nicht aus dem Magen, wie es beim Erbrechen der Fall wäre. Dieses Hochwürgen hat zwei Hauptgründe:
Einerseits kommt es physiologisch vor und dient dem Füttern des weiblichen Partners (Balz) oder des Nachwuchses. Andererseits kann es krankheitsbedingt verstärkt auftreten. Dann ist meist eine Reizung mit nachfolgender Entzündung der Kropfschleimhaut die Ursache. Die Abgrenzung dieser Kropfentzündung vom normalen Balzverhalten ist nicht immer einfach. Die wichtigsten Unterschiede sind: Das Physiologische Fütterungsverhalten erfolgt nur in der Anwesenheit eines Partnervogels und ist zeitlich begrenzt. Bei Kropfentzündungen wird meist eine große Menge an Schleim im Kropf produziert, der dann mit hochgewürgt wird.

Kropfentzündungen entstehen in den meisten Fällen durch Haltungs- oder Fütterungsfehler!
Man unterscheidet zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen.

Nicht-infektiöse Ursachen
Bei den Wellensittichen obliegt das Balzverhalten nur dem Männchen. Deshalb haben männliche Wellensittiche einen starken Fütterungsdrang, den sie aber nur mit einem lebenden Partnervogel ausleben können. Dabei kann der Partner sowohl männlich als auch weiblich sein, da männliche Wellensittiche sehr verträglich sind. Spiegel und Plastikvögel gaukeln dagegen nur einen Kameraden vor. Da dieser aber nicht antworten kann, wird das Balzverhalten oft so lange durchgeführt, bis die Kropfschleimhautzellen durch den ständigen Würgereiz geschädigt werden und Entzündungen entstehen. Dadurch verliert die Schleimhaut ihre Schutzschicht gegenüber Umweltkeimen und es kommt häufig zu Folgeinfektionen mit eigentlich harmlosen Bakterien und Pilzen, die sich vermehren und eine Kropfentzündung auslösen.
Auch die Fütterung spielt eine Rolle. Wellensittiche müssen in der Natur mit einem beschränkten Nahrungsangebot auskommen. Deshalb bilden sie bei ausreichend Futter Reserven für die „harten Tage“. Gleiches geschieht auch bei Wellensittichen in der Wohnung, mit der Folge, dass die Vögel leicht verfetten können. Das kann wiederum die Verdauung stören, Organe wie die Leber schädigen und zum „Erbrechen“ führen. Aus diesem Grund sollten Wellensittiche ihr Futter nicht zur freien Verfügung haben. Als Faustregel gilt, dass zwei gestrichene Teelöffel Körnerfutter pro Tag und Vogel ausreichend sind. Grünfutter kann dagegen stets angeboten werden.
Auf die Hygiene ist stets zu achten, da sich sonst Bakterien und Pilze vermehren können.

Infektiöse Ursachen:
Eine bedeutende primär infektiöse Ursache der Kropfentzündung ist ein Befall mit Trichomonaden. Hierbei handelt es sich um einzellige Parasiten, die im Kropf leben und über das Trinkwasser von Vogel zu Vogel übertragen werden. Sie sind in der Lage, auch eine gesunde Kropfschleimhaut so zu schädigen, dass eine Entzündung mit den oben beschriebenen Symptomen entsteht.
Andere Infektionserreger können sich in der Regel erst nach einer Vorschädigung der Kropfschleimhaut vermehren und eine Kropfentzündung hervorrufen. Meist sind dies dann Bakterien, die auch beim gesunden Vogel im Kropf vorkommen (Staphylokokken und Streptokokken). Auch Hefepilzinfektionen des Kropfes entstehen in der Regel nur bei schon vorhandenen Schleimhautschäden oder sehr schlechter Fütterungshygiene. An einen Wurmbefalls sollte ebenfalls immer gedacht werden.

Ratschläge für die Tierbesitzer im Überblick

Halten Sie Ihren Vogel nicht allein
Wellensittiche sollten am besten als Pärchen mit etwa gleichem Alter gehalten werden. In der Regel ist auch die Haltung von zwei Männchen problemlos, zwei Weibchen verstehen sich dagegen oft nicht. Wenn ein Wellensittich einmal zahm ist, bleibt er es, auch wenn er einen Partner bekommt.

Verzichten Sie auf unnötig viel Spielzeug im Käfig und insbesondere auf Ersatzpartner
Das Argument, dass der Wellensittich seinen Plastikpartner „so liebt“, ist nur ein weiterer Hinweis darauf, dass sich der Vogel alleine fühlt und einen lebenden Partner haben sollte.

Füttern Sie ausgewogen, nicht zu viel und ausreichend Obst und Gemüse
Pro Wellensittich und Tag sollten zwei gestrichene Teelöffel Körnerfutter ausreichen. Dazu werden insbesondere Salatgurke und Eisbergsalat gerne gefressen, aber auch verschiedene andere Gemüse- und auch Obstsorten können ausprobiert werden.

Achten Sie auf Hygiene
Wechseln Sie täglich Wasser und Frischfutter und reinigen Sie die Futternäpfe regelmäßig.

Füttern Sie ein Ergänzungsfuttermittel zur Mineralstoff- und Vitamin Substitution.
Körnerfutter enthält nicht viel Kalzium und auch die Vitaminkonzentrationen sind oft nicht ausreichend. Um die allgemeine Abwehr und Gesundheit des Vogels zu stärken, ist die Zufütterung sehr zu empfehlen.