Akuter Durchfall beim Hund

Büren , 30. Januar 2019

Plötzlich einsetzender Durchfall ist ein bei Hunden sehr häufiges Symptom. Woran das liegt, was Sie tun können und wie Sie erkennen, ob Ihr Hund ernsthaft in Gefahr ist, lesen Sie hier.

In den allermeisten Fällen erledigt sich der Durchfall innerhalb von zwei bis vier Tagen mit der richtigen Pflege von selbst.

Wenn der Hund durch den Flüssigkeitsverlust austrocknet, was bei jungen Hunden oder älteren Hunden mit angeschlagener Gesundheit schneller geschieht, muss der Durchfall in der Regel tiermedizinisch behandelt werden.

Akuter Durchfall: Was zeigt der Hund?

Immer:

  • dünnbreiigen bis flüssigen Kot

Möglicherweise:

  • sehr häufigen Kotabsatz
  • Beimengungen wie Schleim oder Blut
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber (Normaltemperatur beim Hund: 38-39°C)
  • Mattigkeit bis Teilnahmslosigkeit
  • Austrocknung

Hält der Durchfall länger als 14 Tage an oder flackert er über Wochen immer wieder auf, spricht man von chronischem Durchfall.

Akuter Durchfall: Mögliche Ursachen

Die Ursachen für akuten Durchfall lassen sich in drei große Kategorien unterteilen:

Entweder, der Hund hat

  1. etwas zu sich genommen, was ihm nicht bekommt, beispielsweise:
  • Unrat vom Wegrand oder aus der Mülltonne
  • Für Hunde ungeeignete Lebensmittel (z.B. Milch oder stark gewürztes Essen)
  • Von einem Tag auf den anderen ein neues Futter (plötzliche Futterumstellung)
  • Futter mit Hygienemängeln (z.B. Mit Bakterien belastetes rohes Fleisch)
  • Qualitativ schlechtes Futter (z.B. Mit schlechter Eiweißqualität oder sehr viel Kohlenhydraten)
  • Knochen oder Fremdkörper, die Darm irritieren
  • Gift, Chemikalien, Medikamente
  1. Eine Magen-Darm-Erkrankung, beispielsweise:
  • Einen akuten Magen-Darm-Infekt durch Viren und/oder Bakterien
  • Magen-Darm-Parasiten: Würmer (Helminthen) oder Einzeller (Protozoen, z.B. Giardien)
  • Eine Magen-Darm-Entzündung anderer Ursache, z.B. allergisch oder autoimmun-bedingt
  • Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung
  1. Ein außerhalb der Magen-Darm-Trakts liegendes Problem, beispielsweise:
  • Stress, Angst, Schmerz oder Aufregung
  • Infektionskrankheit
  • Organerkrankung, z.B. eine Nierenschwäche
  • Hormonelle Erkrankung

Akuter Durchfall: Wann sollte ich mit meinem Hund zum Tierarzt?

  • länger als drei Tage unter Durchfall leidet
  • ein Welpe ist und häufig Durchfallkot absetzt
  • Anzeichen von Austrocknung zeigt
  • blutigen Durchfall hat
  • sehr viel Flüssigkeit verliert (häufig wässrigen Durchfall absetzt)
  • Bauchschmerzen hat
  • sehr unruhig wirkt
  • teilnahmslos wirkt
  • nicht frisst und/ oder nicht trinkt
  • häufig erbricht
  • Fieber hat (> 40°C)

Woran erkenne ich, ob mein Hund ausgetrocknet ist?

  • Seine Maulschleimhäute sind klebrig trocken.
  • Eine aufgezogene Hautfalte verstreicht nur langsam.

Woran erkenne ich, ob mein Hund Bauchschmerzen hat?

  • er bewegt sich langsam und evtl. steif
  • er krümmt seinen Rücken auf oder
  • er nimmt die „Gebetsstellung“ ein: vorne tief, hinten hoch oder
  • er nimmt andere ungewöhnliche Positionen ein, z.B. Rückenlage
  • er presst häufig und angestrengt, um Kot abzusetzen

Akuter Durchfall: Wie Sie Ihrem Hund helfen können

Sofern ihr Hund abgesehen vom Durchfall fit ist, wird sich das Problem mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Tage von selbst erledigen. Sie können diesen Selbstheilungsprozess mit der richtigen Pflege sehr gut unterstützen.

Was füttern bei akutem Durchfall?

Ausschließlich Schonkost. Bitte steigern Sie die Futtermenge langsam und füttern Sie mehrere Mahlzeiten täglich, um den noch angeschlagenen Magen-Darm-Trakt nicht zu überlasten.

Das klassische Schonkostrezept für Hunde besteht aus Huhn, Reis und Hüttenkäse. Für einen 10 kg schweren Hund:

  • 125 g Hühnerfleisch
  • 300 g weich gekochter Reis
  • 125 g Hüttenkäse

Ihr Hund muss immer Zugang zu frischem Wasser haben! Bei Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit und diese muss dringend ersetzt werden.

Beim Tierarzt bekommen Sie leicht verdauliche, fertige Schonkost für Durchfallpatienten, die den gesamten Nährstoffbedarf Ihres Hundes deckt und mit speziellen Inhaltsstoffen (z.B. Präbiotika) die Regeneration des Magen-Darm-Trakts fördert sowie die Kotkonsistenz verbessert (z.B. Hills i/d, Royal Canin Gastro Intestinal).

Wenn Sie ein hochwertiges Alleinfutter geben (z.B. von Royal Canin oder Hills) ist dies in der Regel so schonend für den Magen-Darm-Trakt, dass Sie nach leichteren Durchfallepisoden keine spezielle Schonkost geben müssen.

Falls Ihr Hund Allergiker ist oder ein erhöhtes Allergierisiko hat (z.B. weil die Eltern Allergiker sind), sollten Sie nach einer Durchfallepisode einige Tage lang eine Allergikerdiät mit einer Eiweißquelle füttern, die Sie sonst nicht geben (z.B. Ente), oder eine hydrolysierte Diät (z.B. Royal Canin Anallergenic oder Hills z/d). Sie dient als sogenanntes „Opferprotein“: Sollte Ihr Hund dagegen eine Allergie entwickeln, ist dies nicht weiter schlimm und Sie laufen nicht Gefahr, Ihre übliche Allergiediät wechseln zu müssen. Das Risiko der Allergieentwicklung ist bei akutem Durchfall erhöht, da die Darmbarriere geschädigt ist und eher Nahrungsantigene mit dem Immunsystem in Berührung kommen.

Leckerli und Kauknochen sind in den ersten Tagen nach akutem Durchfall für alle Hunde noch Tabu.

Hausmittel und Naturheilkunde bei akutem Durchfall

Wenn Ihr Hund unter Durchfall leidet, gerät seine Darmflora aus dem Gleichgewicht, eventuell muss er sich mit Krankheitskeimen und Giftstoffen auseinandersetzen und die Darmwand wird unter Umständen geschädigt. Mit ein paar Tricks können Sie dem Magen-Darm-Trakt Ihres Hundes helfen, schneller wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die häufigsten in Nahrungsergänzungen gegen Durchfall eingesetzten Wirkstoffe sind:

Ballaststoffe (nicht fermentierbare Fasern)

Ballaststoffe sind quellfähige Pflanzenfasern, die große Mengen Wasser “aufsaugen” können und dadurch sofort die Kotkonsistenz verbessern; z.B. Kleie, Futterzellulose oder Flohsamen (langsam fermentierbar, wird oft auch zu den fermentierbaren Fasern gezählt)

Präbiotika (fermentierbare Fasern)

Präbiotika sind lösliche Pflanzenfasern, die den “guten” Darmbakterien der normalen Darmflora des Hundes als Nahrung dienen und deren Vermehrung fördern. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass dadurch die Vermehrung von Krankheitskeimen unterdrückt wird und die Darmflora schneller wieder ins Gleichgewicht kommt. Auch die löslichen Pflanzenfasern quellen im Darm auf und können so die Kotkonsistenz verbessern. Beim Abbau (Fermentation) der löslichen Fasern entstehen zudem Substanzen, welche die Darmwandzellen zur Energiegewinnung nutzen. Zu den löslichen Fasern gehören z.B. Pektin, Guar, Inulin, FOS und MOS; das klassische Hausmittel aus dieser Kategorie ist mit der Glasreibe geriebener, ungeschälter Apfel.

Probiotika

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, in der Regel milchsäurebildende Bakterien wie Enterococcus faecium. Diese Bakterien können das Wachstum krankmachender Bakterien hemmen, indem sie sie von der Darmwand “verdrängen” und mit ihnen um Nahrung konkurrieren. Zusätzlich üben sie einen entzündungshemmenden Effekt auf die Darmwandzellen aus.

Gerbstoffe und Toxinbinder

Gerbstoffe (Adstringentien) sollen dafür sorgen, dass Eiweiße im Darm verklumpen und eine schützende Membran an der Darmwand ensteht, welche die Aufnahme von Giftstoffen oder das Eindringen von Keimen verhindert. Ein häufig in der Naturheilkunde angewendeter Gerbstoff ist z.B. Eichenrinde.

Toxinbinder (Adsorbentien) sollen die von Durchfallerregern freigesetzten Giftstoffe unschädlich machen. Der bekannteste Vertreter ist wohl die Aktivkohle oder Medizinalkohle. Sehr häufig eingesetzt werden auch Kaolin und Bentonit-Montmorillonit.

Energie und Elektrolyte

Bei akutem Durchfall schafft es der Darm nicht, die Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei in genügender Menge aufzunehmen. Deshalb enthalten Durchfallpräparate oft zusätzliche Energie in Form von Zuckerverbindungen und/oder Ölen. Sie können auch während der ersten Fastentage gegeben werden.

Wenn Ihr Hund viel Flüssigkeit verliert, gehen gleichzeitig auch lebenswichtige Elektrolyte verloren, was unter anderem zur Übersäuerung des Organismus führen kann. Gerade bei Welpen oder älteren Hunden mit angeschlagener Gesundheit kann es deshalb sinnvoll sein, Elektrolytlösungen statt reinem Wasser zum Trinken anzubieten, z.B. Oralade.

 

Ihr Team der tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Büren